Der ATX und seine Unternehmen Bauriese PORR AG

Was lange währt, wird endlich gut. Am 26. Juni 2018 war es so weit – Österreichs ältestes börsennotiertes Unternehmen, die PORR AG, zog erstmals in seiner Börsengeschichte in den Leitindex ATX ein. Ein guter Grund, das Unternehmen näher vorzustellen.

Karl-Heinz Strauss, CEO PORR AG © PORR/R. Newman

Die PORR AG ist eines der größten Bauunternehmen in Österreich und einer der führenden Infrastrukturspezialisten in Europa. Als Full-Service-Anbieter ist das in Wien ansässige Unternehmen überwiegend in den Bereichen Hoch-, Bahn-, Brücken-, Tunnel- und Straßenbau tätig. Die fast 18.000 Mitarbeiter erwirtschaften den Großteil des Umsatzes in den Kernmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien. Im vergangenen Jahr betrug die Produktionsleistung rund 4,7 Milliarden Euro.

Spezialist im Betonbau
Die Wurzeln der PORR AG gehen zurück bis in das Jahr 1869. Damals wurde die Allgemeine Österreichische Baugesellschaft gegründet. Das Unternehmen notierte von Beginn an an der Wiener Börse. Die daraus entstandene PORR AG ist somit der älteste heimische Börsenwert. Zu den ersten Bauprojekten des Unternehmens gehörten etliche Ringstraßenbauten sowie anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien sieben Ausstellungspavillons und zahlreiche Hotels.

Nach der Jahrhundertwende orientierte sich die Allgemeine Österreichische Baugesellschaft in Richtung Betonbau. Wegbereitend in dieser Zeit war der Eisenbetonspezialist Ing. Arthur Porr, welcher dank zahlreicher Erfindungen der Betonbauweise zum Durchbruch verhalf. Porr gründete 1908 die A. Porr Betonbauunternehmung GmbH, die im Jahr 1927 mit der Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft zur Allgemeinen Baugesellschaft ‒ A. Porr Aktiengesellschaft fusionierte. Eines der ersten großen Projekte des neuen Unternehmens war 1930 der Bau der bekannten Großglockner-Hochalpenstraße. Zudem war PORR zwischen den beiden Weltkriegen am Bau von zahlreichen Kraftwerksanlagen, Straßen-, Bahn- und Industriebauten beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug der Konzern einen Teil zum Wiederaufbau Österreichs bei. So wurde PORR unter anderem mit dem Wiederaufbau der Wiener Staatsoper, der Errichtung des Ringturms und des Kraftwerks Kaprun betraut.

Schrägseilbrücke Rzeszów: Der Spezialist für Brückenbau hat die beiden Ufer der Wisłok bei Rzeszów in Polen verbunden. © PORR

Auf dem Weg an die Spitze
In den folgenden Jahren wandelte sich PORR zunehmend zu einem Generalunternehmer und streckte seine Fühler auch außerhalb Österreichs aus. Zu den ersten Märkten, die der Konzern erschloss, gehörten in den 1980er Jahren Zentral- und Osteuropa sowie der Nahe Osten. Ferner wuchs PORR durch Übernahmen. Im Jahr 2000 wurde der Bauriese Mehrheitseigentümer der Teerag-Asdag AG, des damals wichtigsten Straßenbauunternehmens Österreichs.

2010 war für den Konzern ein wichtiges Jahr. In diesem Jahr wurde Karl-Heinz Strauss neuer Vorstandsvorsitzender der PORR AG. Strauss trat an, um den Konzern zukunftsfähig zu machen. Hierfür wurde die PORR-Gruppe umfassend restrukturiert. Ziel war es, das Unternehmen schlanker und effizienter zu gestalten.

Heute ist Strauss nicht nur Vorstandsvorsitzender der PORR AG, sondern auch größter Eigentümer des Baukonzerns. Im Juli 2012 erwarb er einen 38 %-Aktienanteil am Unternehmen für rund 80 Millionen Euro. Zusammen mit dem Tiroler Gebäudetechnikunternehmer Klaus Ortner verfügt Strauss derzeit über einen Anteil von fast 54 % der Aktien. Rund 46 % befinden sich im Streubesitz (Stand: April 2018).

Tunnelprojekt in Dubai: Mit der 10,4 km langen Tunnelkonstruktion sollen große Teile der Megacity entwässert werden.

Unter der Leitung von Strauss stieg PORR zum zweitgrößten Baukonzern Österreichs auf. Unterstützend war hierbei allerdings auch der Konkurs der Alpine Holding im Jahr 2013. Im Anschluss übernahm PORR zwei Tochterfirmen des insolventen Konkurrenten. Zu guter Letzt gelang der PORR AG im Sommer dieses Jahres – nach fast 150 Jahren Börsennotierung – der Sprung in den österreichischen Leitindex ATX.

Die Zukunft wird digital
Ganz im Sinne des Namensgebers Arthur Porr sind auch heute Innovationen ein wichtiger Bestandteil der PORR AG. Laut eigenen Aussagen sieht sich das Unternehmen in einer Vorreiterrolle in Österreich. Die Digitalisierung macht auch vor der Baustelle nicht halt. Eine Technologie, die bei PORR in Zukunft eine gewichtige Rolle spielen könnte, ist das Building Information Modeling, oder auf Deutsch: Bauwerksdatenmodellierung. Hierbei handelt es sich um eine software- unterstützte Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken. Das Bauwerk wird dabei mit allen relevanten Daten als virtuelles Modell visualisiert. Mit neuen Technologien sollen Bauvorhaben schneller, effizienter, kostengünstiger und vor allem transparenter realisiert werden. Zu den Profiteuren der technologischen Entwicklungen sollen die Kunden, das Unternehmen und letztendlich auch die Aktionäre gehören.

Zahlen & Fakten

Gründung: 1869
Sitz: Wien
Mitarbeiter: 17.719 *)
Produktionsleistung: 4.738 Mio. Euro *)
Ergebnis vor Steuern: 85,3 Mio. Euro *)
Konzernergebnis: 63,7 Mio. Euro *)
Ergebnis je Aktie: 2,09 Euro *)
Dividende je Aktie: 1,10 Euro
Internet: www.porr-group.com

*) Stand: 31.12.2017

Disclaimer: Alle Angaben dienen nur der Unterstützung Ihrer selbstständigen Anlageentscheidung und stellen keine Empfehlung der Hello bank! dar.

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