Dr. Martin Hüfner:
Es wird gefährlicher an den Märkten

2017 war ein Ausnahmejahr. Die Konjunktur boomte. Die Preise blieben stabil. Die Aktienmärkte bescherten den Anlegern schöne Gewinne. In Österreich ging der ATX zeitweise um über 25 % nach oben. An den Rentenmärkten war es etwas SCHWIERIGER, Geld zu verdienen. Aber mit Unternehmensanleihen konnte man durchaus ein Plus von 5 bis 6 % machen. So etwas hat es lange nicht mehr gegeben.

Dr. Martin Hüfner, Volkswirtschaftlicher Berater der Hello bank!

Die Frage ist: Wird das so weitergehen? Viele sind optimistisch. Natürlich gehen die Kurse auch im neuen Jahr nach oben. Die fundamentalen Bedingungen sind weiterhin gut. Gerade in den letzten Monaten des alten Jahres hat die Konjunktur noch einmal Schwung aufgenommen. Die Preissteigerung ist nach wie vor niedrig. Die Geldpolitik wird daher – zumindest in Europa – weiter auf Expansionskurs bleiben. Das sind gute Ausgangsbedingungen für Anleger.

Trotzdem sollte man vorsichtig sein. Zum einen, weil das fundamentale Umfeld zwar weiter gut ist, es sich aber nicht mehr verbessert. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum wird bestenfalls ähnlich groß sein wie 2017, vermutlich aber nicht höher. Die Geldpolitik bleibt expansiv, sie wird die monetären Bedingungen aber nicht weiter lockern. Damit fehlt es an neuen Impulsen für die Anleger. Seitwärtsbewegungen werden an den Märkten häufig als Rückschritt interpretiert.

Zum anderen werden die Anleger nach nunmehr neun Jahren fast ununterbrochenen Aufschwungs risikofreudiger. Viele denken: Wenn es jetzt so lange gut gegangen ist, warum soll die Party dann plötzlich zu Ende sein? Das ist verständlich. Aber dadurch steigen die Risiken. Österreich hat im letzten Jahr eine 100-jährige Anleihe mit einer jährlichen Rendite von 2,1 % (!) begeben. Das Gemälde Salvator Mundi, das angeblich von Leonardo da Vinci stammen soll, wurde kürzlich zu dem Wahnsinnspreis von 450 Mio. US-Dollar verkauft. Die Preise für Kryptowährungen wie Bitcoin gingen durch die Decke.