Quo vadis: Geldpolitik und Notenbanken
Interview mit Dr. Martin Hüfner

Anfang November stand fest: Janet Yellen tritt als Chefin der US-Notenbank nach nur einer Amtsperiode im Februar 2018 ab. Eine Umfrage des Wall STREET Journal ergab Bestnoten für die 71-jährige. 60 Prozent bewerteten ihre Leistung mit der Note „sehr gut“, 30 Prozent mit der Note „gut“.

Was ist vom neuen Leiter der Fed zu erwarten, der sowohl bei Republikanern als auch bei Demokraten eine hohe Zustimmung genießt?

Aus meiner Sicht wird sich an der amerikanischen Geldpolitik nicht viel ändern. Jerome Powell ist ein kluger und überlegter Mann. Er kennt die Federal Reserve. Er hat lange mit Janet Yellen zusammengearbeitet. Er genießt Vertrauen an den Märkten. Wenn sich die amerikanische Wirtschaft so weiterentwickelt, wie es derzeit absehbar ist, wird Powell die Zinsen in diesem Jahr in drei Schritten auf dann 2 % erhöhen. Gleichzeitig wird die Bilanzsumme der Fed verringert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies die Konjunktur und die Kapitalmärkte stärker beeinträchtigt. Dies umso mehr, als es ja positive Impulse von der großen Steuersenkung geben wird. Wichtig und gut ist, dass die Fed damit als größte Zentralbank der Welt wieder „Munition“ hat, um eine Rezession, wenn sie denn kommt, zu bekämpfen.

Während die USA unter Yellen gezeigt haben, dass die Finanzmärkte von der „Droge“ billigen Geldes ohne Schaden loskommen können, steht diese Übung der EZB und den EU-Bürgern noch bevor. Zwar fährt Mario Draghi die Anleihekäufe zurück, an der Zinsschraube wird aber voraussichtlich erst 2019 gedreht.

Welche Auswirkungen sehen Sie, und werden wir eine Flucht aus dem Euro in den Dollar sehen, mit entsprechenden Folgen für den Wechselkurs?

Die Auswirkungen werden begrenzt sein. Wenn die Konjunktur im Laufe dieses Jahres nicht mehr an Kraft gewinnt, sondern sich leicht abschwächen sollte, dann liegt das nicht an einer weniger expansiven Geldpolitik. Es ist vielmehr der normale Zyklus, dass sich das Wachstum nach acht Jahren Aufschwung auch mal wieder verringert. Die Kapitalmärkte werden auch nicht stark reagieren. Ich vermute, dass die langfristigen Zinsen im Euroraum etwas nach oben gehen. Der Effekt wird aber begrenzt sein. Die Aktienkurse werden nicht mehr so stark steigen. Die Schwankungsanfälligkeit wird zunehmen. Für Aktien gibt es im gegenwärtigen Nullzinsumfeld aber keine Alternative. Ich glaube auch nicht, dass der Euro sich abschwächt. Es wird keine Flucht in den Dollar geben. Wechselkurse werden von vielen Faktoren beeinflusst, nicht nur von den Zinsen. Wir haben das schon im letzten Jahr gesehen, als der Euro trotz höherer Zinsen in den USA aufgewertet hat.