Makro-Ausblick 2018
Phasen der Zinserhöhung führen nicht zwangsläufig zu sinkenden Aktienkursen

Dr. Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der Hello bank!, steht im Interview Rede und Antwort zu Euro/Dollar, Zinsen und Gold und wie deren Entwicklung sich auf den Aktienmarkt auswirken kann.

Das politische Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu. Bei den diversen Wahlen in Europa gab es zwar einen Ruck nach rechts, der Super-GAU blieb aber aus. Jetzt müssen wirtschaftspolitisch die richtigen Weichen gestellt werde. Was haben wir von Europa in 2018 zu erwarten, Herr Dr. Hüfner?

Noch ist das Jahr 2017 nicht vorbei. Da kann noch viel passieren, aber Sie haben recht, der Super-GAU ist ausgeblieben. Aber einen GAU hatten wir schon. Deutschland hat durch das Ergebnis der Bundestagswahlen seine Attraktivität und Sonderstellung als Hort der Stabilität in einer turbulenten Welt zumindest zum Teil verloren. Auch der Elan bei der Erneuerung und Weiterentwicklung des Euroraums hat einen Rückschlag erlitten. Andererseits ebnen sich die Unterschiede zwischen dem Zentrum und der Peripherie in Europa ein. Kurzfristig haben die Finanzmärkte das relativ gelassen hingenommen. Längerfristig werden wir jedoch Auswirkungen spüren – und sie werden in Deutschland und Europa nicht unbedingt positiv sein.

Der Euro kannte in 2017 gegenüber dem US-Dollar eigentlich nur eine Richtung. Auch die Zinswende in den USA half dem Greenback nicht wirklich. Eine Zinswende in Europa würde den Euro noch weiter stärken. Stellt dies nicht ein Riesenproblem für exportstarke Länder wie Deutschland dar?

Natürlich ist das ein Problem. Es gab schon viele Klagen aus der Wirtschaft. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Auch bei einem Kurs von 1,20 des US-Dollar zum Euro ist die Gemeinschaftswährung noch nicht überbewertet. Sie liegt etwa auf dem Niveau, das wir bei der Einführung der Währungsunion im Jahr 1999 hatten. Damals haben wir damit gelebt, und jetzt werden wir auch damit leben können. Ich möchte hier aber noch einen Gedanken hinzufügen, der mir sehr wichtig ist. Ein starker Wechselkurs ist nicht nur eine Belastung für die Exportwirtschaft. Er ist auch eine „Peitsche“, um die Produktivität zu erhöhen. Die deutsche Exportwirtschaft war nie wieder so gut wie zu den Zeiten, als die D-Mark sich in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts permanent aufwertete. Die Schweizer Unternehmen stehen heute wegen der vorherigen Aufwertung des Frankens außerordentlich gut da. Sie haben immens rationalisiert und Produktivität gesteigert.