Richtig erben und vererben

Die Erbmasse sinkt bekanntlich mit der Masse der Erben. Diese alte Weisheit aus dem Volksmund würde wohl jeder sofort unterschreiben. Doch ist das wirklich so? Wird von Generation zu Generation weniger vererbt?

Mitnichten! In keinem anderen Land der Eurozone sind Erbschaften für den Aufstieg im sozialen Gefüge so wichtig wie in Österreich. Nur mit dem eigenen Einkommen ist es hierzulande im Vergleich mit anderen EU-Ländern deutlich schwieriger, in der Vermögensverteilung aufzusteigen. Das geht aus einer Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervor. Man müsste sich grob gerechnet schon vom einfachen Dienstmann zur Führungskraft hocharbeiten, um ein vergleichbares Vermögen aufzubauen wie jemand, der eine durchschnittliche Erbschaft in der Höhe von 150.000 Euro erhält.

Stellt man sich die Vermögensverteilung als eine Treppe mit 100 Stufen vor, so katapultiert eine durchschnittliche Erbschaft einen österreichischen Haushalt um 17 Stufen nach oben. In der Eurozone ist der Effekt nur in Deutschland ähnlich hoch, in Spanien beträgt er etwa elf Stufen, in der Slowakei nur fünf. In Österreich kommt dazu, dass ein Aufstieg in der Einkommensskala weniger schnell als etwa in Deutschland zu einem Aufstieg in der relativen Vermögensposition führt.

„In Zukunft werden Erbschaften noch wichtiger werden, weil sich die privaten Vermögen in den letzten Jahrzehnten stark vergrößert haben“, so die Experten der OeNB. Ein anderer Aspekt kommt noch hinzu: Die Zahl der Erbschaften wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, weil es mehr alte Menschen und daher auch mehr Todesfälle gibt. Derzeit werden jährlich geschätzt 15 Milliarden Euro vererbt, was sich in den nächsten Jahrzehnten noch verdoppeln dürfte, so eine Studie der WU Wien.