Autonomes Fahren: Wer macht das Rennen?

Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen arbeiten mit Hochdruck am Thema autonomes Fahren. Traditionelle Autobauer und Zulieferer stehen in Konkurrenz zur IT-Branche mit Tech-Giganten wie Apple oder Google. Wer hat die Nase vorn im Rennen um die automobile Zukunft?

Autonomes und automatisiertes Fahren gehören aktuell zu den wichtigsten Technologiethemen. Geradezu ein Hype ist ausgebrochen im Rennen um die ersten Serienfahrzeuge, die sich allein im Straßenverkehr bewegen können. Audi hat ein Fahrzeug angekündigt, das Level 3 erfüllen soll. Level 0 bis 5 beschreibt die Stufen vom gelenkten bis zum fahrerlosen Fahrzeug. Die Einteilung erfolgt schrittweise: Ausgehend von Level 0, bei dem der Fahrer ohne Unterstützung durch Assistenzsysteme fährt, bis hin zu Level 5, bei dem sich das Fahrzeug fahrerlos, also autonom, fortbewegt. Fahrerassistenzsysteme von Level 1 sind heute bereits weit verbreitet. Einige Fahrzeuge bieten mit einem Spurführungs- oder Bremsassistenten sowie ferngesteuertem Einparken bereits Systeme auf Level 2, dem „Teil-automatisierten Fahren“ an. Level 3 „Hochautomatisiertes Fahren“, Level 4 „Vollautomatisiertes Fahren“ und Level 5 „Autonomes Fahren“ sind derzeit noch Zukunftsmusik.

Daimler-Vision URBANETIC: neue Perspektiven des autonomen Fahrens

Nahverkehr ohne Fahrzeugführer
Ein besonderes Augenmerk legen die Unternehmen neben den selbstfahrenden Pkw auf den autonom fahrenden Nahverkehr. Robotaxis und das zugehörige Ridesharing sollen die nächsten Evolutionsstufen des Carsharing werden. Die Grundidee ist simpel: Mehrere Personen mit der gleichen Fahrroute teilen sich ein Fahrzeug. Für diesen Einsatz ist etwa der e.GO Mover konzipiert worden. Der Kleinbus für 14 Personen wurde von dem Start-up e.GO Mobile entwickelt, das aus einem Forschungsprojekt der RWTH Aachen hervorgegangen ist. Der e.GO Mover fährt elektrisch und soll mit vollautomatisierten Fahrfunktionen des Level 4 ausgestattet sein. Zielkunden sind Kommunen und Verkehrsbetriebe. Der vergleichbare EZ10 des französischen Herstellers EasyMile ist schon seit 2017 in Bayern unterwegs – als erster autonomer Linienverkehrsbus. Wenn auch auf einer sehr kurzen Strecke, gerade einmal 700 m dauert der Alleingang. Er fährt ebenfalls mit Strom und hat keinen Fahrer. Nur ein Fahrtbegleiter, der bei Bedarf eingreifen kann, ist an Bord. Die Deutsche Bahn will zukünftig die Strecke ausweiten.

Gemeinsame Projekte der Big Player
Daimler und Bosch kündigten die ersten Tests von autonomen Shuttle-Services mit Kunden ab Mitte 2019 auf US-Straßen an. Die beiden Konzerne arbeiten gemeinsam an fahrerlosen Autos für die unterschiedlichsten Fahrdienste. Anfang 2020 sollen die Fahrzeuge serienreif sein. Es soll erprobt werden, wie sich vollautomatisierte Fahrzeuge in den echten Stadtverkehr mit vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern integrieren lassen. Auch BMW und Daimler wollen ihre Kräfte beim automatisierten Fah-ren bündeln. In einem ersten Schritt soll die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen, vom automatisierten Fahren auf Autobahnen und von automatisiertem Parken (jeweils bis Level 4) in der nächsten Phase vorangetrieben werden.

Die Konkurrenz aus Silicon Valley
Betrachtet man die Anzahl der Meilen, die in Kalifornien in den vergangenen Jahren von den Fahrzeugen der Zukunft zurückgelegt wurden, ist klar: Die Alphabet-Tochter und Google-Schwester Waymo, die mit FiatChrysler kooperiert, hat die Nase vorn, wenn es um Hard- und Software von computergesteuerten Autos im Echteinsatz geht. Rund 1,5 Millionen Meilen haben die Waymo-Autos bereits zurückgelegt. Neuesten Meldungen zufolge wollen auch die Autokonzerne Renault, Nissan und Mitsubishi offenbar mit Waymo zusammenarbeiten und gemeinsam autonome Taxidienste anbieten. Apple ist nach Ansicht einiger Experten etwas abgeschlagen. Dabei hatte sich der iPhone-Hersteller bereits vor Jahren mit großen Ambitionen dem Thema autonomes Fahren genähert. Einst wurden am Markt sogar Gerüchte laut, Apple plane ein eigenes iCar. Das Projekt wurde aber inzwischen auf Eis gelegt und der Konzern beschränkt sich nun darauf, Software für selbstfahrende Autos bereitzustellen.

Neue Unternehmen stehen am Start
Ihre Namen kennen noch die wenigsten, doch diese Zulieferfirmen sollte man sich merken. Sie sind die Schlüsselfiguren der neuen automobilen Welt. Die Chiphersteller Freescale und NXP stellen Microcontroller und Prozessoren her, die mit dem Datenprotokoll Flexray arbeiten. Auf diesen Standard haben sich Autohersteller geeinigt, er soll die Kommunikation zwischen Bauteilen im Auto sicherer und schneller machen. Mobileye ist Spezialist für Fahrassistenzsysteme. BMW, GM, Volvo und Hyundai nutzen Mobileye-Technologie unter anderem für Spurhalteassistenten und Abstandswarner. STMicroelectronics baut die Chips für Mobileye und für viele andere Zulieferer. Das Unternehmen zählt zu den führenden Halbleiter-Anbietern im Automotive-Bereich. Nokia hat sich seit dem Verkauf der Mobiltelefonsparte an Microsoft neu aufgestellt und arbeitet an der Entwicklung einer Karten-Datenbank für fahrerlose Autos.

Poleposition für Österreich
Der Weg zum automatisierten Fahren ist nicht nur ein technologischer, sondern er bedarf auch der Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen, um eine nachhaltige und sichere Einführung automatisierter Fahrzeuge zu gewährleisten. Hierzulande befasst sich das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) seit einigen Jahren damit, die Entwicklung und Einführung automatisierter Fahrzeuge in Österreich voranzutreiben. Das BMVIT verknüpft damit große Erwartungen. Allen voran eine signifikante Erhöhung der Verkehrssicherheit, eine potenzielle Entlastung der Umwelt, da automatisiertes Fahren die Umweltverträglichkeit des Verkehrs verbessern könnte. Und mit allen Faktoren verbunden eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich.

Durch selbstfahrende Autos können Mitreisende die Fahrtzeit anderweitig nutzen

 

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