Episode oder dauerhafter Trend? Die Renaissance des Goldes

Besitzer von Gold hatten es in den letzten Jahren nicht immer leicht. Der Preis des Edelmetalls unterlag starken Schwankungen und hat sich per saldo eher enttäuschend entwickelt. Seit einiger Zeit aber scheint sich die Stimmung zu drehen. Der Goldpreis geht wieder nach oben. Seit Anfang 2016 hat er sich zeitweise um 20 % erhöht. Ist das ein Wendepunkt? Kann man von nun an mit weiteren Steigerungen rechnen?

Von Dr. Martin Hüfner
Besitzer von Gold hatten es in den letzten Jahren nicht immer leicht. Der Preis des Edelmetalls unterlag starken Schwankungen und hat sich per saldo eher enttäuschend entwickelt. Seit einiger Zeit aber scheint sich die Stimmung zu drehen. Der Goldpreis geht wieder nach oben. Seit Anfang 2016 hat er sich zeitweise um 20 % erhöht. Ist das ein Wendepunkt? Kann man von nun an mit weiteren Steigerungen rechnen?

Der Autor möchte hier einmal eine etwas ungewöhnliche These aufstellen. Er glaubt nämlich in der Tat, dass der Anstieg des Goldpreises nicht nur eine vorübergehende Laune des Marktes ist. Es gibt dafür einen guten Grund. Er liegt aber nicht im Bereich der Wirtschaft oder des Geldes, sondern im Bereich der Politik. Gemeint ist die zunehmende Verbreitung des Populismus in der Welt. Sie trägt dazu bei, den Goldpreis auch längerfristig nach oben zu treiben. Hier die Begründung.

Populismus beeinflusst die Kapitalmärkte
Dass der Populismus immer mehr um sich greift, ist unbestritten. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt es immer mehr Länder mit populistischen Regierungen. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich das nicht auch am Kapitalmarkt zeigen würde.

Dafür spricht zunächst unmittelbar die Entwicklung der letzten Jahre. Im zweiten Halbjahr 2015 endete der dramatische Fall des Goldpreises. Er ging wieder nach oben. Das war zugleich die Zeit, als die populistischen Parteien in Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Deutschland stärker wurden. In Großbritannien startete die Vorbereitung auf das Brexit-Referendum. 2016 kam dann der Wahlkampf Trumps in den USA.

Der Goldpreis ist dabei nicht dramatisch gestiegen. Er hat sich aber relativ kontinuierlich von knapp unter 1.100 US-Dollar (USD) je Feinunze auf zeitweise über 1.300 USD erhöht. Das ist ein Anstieg von rund 20 %. Das sieht ähnlich aus wie die Verbreitung des Populismus. Auch dieser ist ja nicht mit einem Schlag gekommen, sondern breitete sich sukzessive aus. Es gibt aber auch sachliche Gründe für einen höheren Goldpreis.

Dr. Martin Hüfner, Volkswirtschaftlicher Berater der Hello bank!

Gold als Symbol des Reichtums
Erstens: Wenn es überhaupt eine Vermögensklasse für die breite Masse der Bevölkerung gibt (und nicht nur für die gesellschaftlichen Eliten), dann ist es Gold. Es sieht schön aus. Es ist wertvoll. Es gilt als Symbol von Reichtum. Es hat eine lange Geschichte. Es wurde schon als Geld verwendet, als es Papiergeld oder Münzen noch nicht gab. Viele Menschen haben Gold zu Hause oder im Tresor, obwohl es dafür keine Zinsen gibt und obwohl der Besitz physischen Goldes mit Risiken (und zum Teil auch mit Kosten) verbunden ist.

Ganz abgesehen davon war Gold in der Vergangenheit auch schon eine rentable Geldanlage. Wer seit dem Ende des Weltkrieges sein Geld in das gelbe Metall investierte, erzielte allein durch die Preissteigerungen eine Rendite von jährlich über 5 % (in US-Dollar gerechnet). Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Goldpreis bis Anfang der 70er Jahre vom Staat fixiert war und sich nicht bewegen konnte. Erst mit dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods 1973 konnte er steigen.

Gold als klassischer Krisenschutz
Zweitens: Der wachsende Populismus führt sowohl in den einzelnen Ländern als auch in der Welt insgesamt zu Spannungen und Krisen. Gold ist aber nun einmal das traditionelle Instrument, mit dem man sich gegen Krisen schützen zu können glaubt. Je mehr Krisen, umso höher der Goldpreis. Ob Gold in Krisen wirklich ein rettender Anker ist, mag dahingestellt sein. In den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hätte einem Gold wenig genutzt. Man konnte mit Gold nicht zum Bäcker gehen und Brot kaufen (dazu waren damals amerikanische Zigaretten besser geeignet). Das ist aber gar nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Menschen an Gold als sicheren Hafen glauben.

Sehnsucht nach einfachen Lösungen
Drittens: Populismus blüht auf dem sinkenden Vertrauen der Menschen in die staatliche Geldordnung. Er unterstellt, dass die große Finanzkrise von 2008/2009 letztlich nicht auf Fehlern der Wirtschafts- und Währungspolitik beruhte, sondern auf Mängeln der staatlichen Geldordnung. Er ist skeptisch gegenüber der Geldschöpfung durch die Banken. Er vertraut nicht auf unabhängige Zentralbanken. Menschen kaufen Gold, weil sie an ein Ende des Papiergeldes glauben und auf eine Rückkehr des Goldstandards hoffen. Am liebsten wäre ihnen, wenn der Goldpreis wieder staatlich fixiert würde, vielleicht bei einem Preis von 2.000 USD, wobei sie einen schönen Gewinn einstreichen könnten.

 

Gold als Schutz vor Geldentwertung
Viertens: Populistische Politiker sind häufig Anhänger einer expansiven Finanzpolitik, nicht zuletzt, um damit Wohltaten für das Volk zu finanzieren. Siehe die massive Steuersenkung, die der amerikanische Präsident im vorigen Jahr in Kraft setzte. Das treibt die Staatsverschuldung nach oben und schürt gleichzeitig Ängste vor Inflation. Das kommt am Ende wieder dem Gold zugute. Denn das gelbe Metall gilt traditionell als Schutz vor Geldentwertung. Wenn es richtig ist, dass es eine Korrelation zwischen Populismus und Gold gibt, dann hat das Konsequenzen. Denn viel spricht dafür, dass der Populismus nicht nur eine kurzfristige Modeerscheinung ist, sondern der Beginn einer Ära, die länger dauern könnte. Gideon Rachman von der Financial Times hat vor einiger Zeit darüber spekuliert, dass die Trump-Ära (nicht Trump selbst natürlich) in der Welt dreißig Jahre dauern könnte. Das wären dann gute Perspektiven für die Anlageklasse Gold. Der Goldpreis könnte auf über 2.000 USD je Feinunze steigen.

Gold ist auch eine gefährliche Anlageklasse
Allerdings gibt es auch Risiken. Eines ist, dass der Populismus zwar politisch erfolgreich ist, nicht aber zwangsläufig ökonomisch. Es ist denkbar, dass der Brexit in einem wirtschaftlichen Desaster endet. Trump könnte mit seiner Wirtschaftspolitik scheitern. Dann ginge es mit dem Populismus schnell zu Ende. Auch der Goldpreis würde wieder fallen. Ein anderes Risiko ist, dass der Goldpreis durch andere Faktoren überlagert wird. Derzeit kaufen Zentralbanken vermehrt Gold (zum Beispiel Russland, China). Das hat nicht zwangsläufig etwas mit Populismus zu tun. Denkbar ist auch, dass sich ein Zinsanstieg negativ auf den Goldpreis auswirkt.

Zudem: Gold ist eine gefährliche Anlageklasse. Dahinter steht nur ein einziges Metall und es wirken sehr unterschiedliche Faktoren auf der Angebots- und Nachfrageseite. Es war daher kein Wunder, dass Goldbesitzer in der Vergangenheit oft enttäuscht wurden. Jetzt sieht es aber so aus, als ob die Auftriebskräfte beim Gold stärker werden könnten.

Disclaimer: Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder und stellt in keiner Weise eine Finanzanalyse, eine Anlageberatung, ein Angebot zum Kauf oder eine Empfehlung der Hello bank! dar.

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