Eine Branche mit Zukunft

Die weltweite Biotech-Branche gilt als Wachstumsmarkt schlechthin. Marktschätzungen zufolge dürfte der Umsatz der Branche bis 2020 ein Volumen von 515 Mrd. Euro erreichen.

Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigt stetig an. Weil die Menschen rund um den Globus immer älter werden, nehmen die altersbedingten Erkrankungen ebenso zu wie die Ansprüche der älteren Bevölkerungsgruppe an eine hohe Lebensqualität. Auch auf lange Sicht wird sich an diesem Trend kaum etwas ändern. Er bildet die Grundlage für die prosperierende Biotech-Branche.

Neue Therapieansätze dank Biotechnologie

Großen Anteil an der steigenden Lebenserwartung hat der technologische Fortschritt im Bereich der Medizin, speziell der Medikamentenforschung. Gerade Biopharmazeutika sorgen mit ihren neuen Therapieansätzen dafür, dass Krankheiten heute wesentlich früher und besser behandelt werden können als noch vor einigen Jahren. Die Biotechnologie nutzt Enzyme, genmanipulierte Zellen oder Bakterien für die Entwicklung neuer medizinischer Wirkstoffe. Zum Beispiel Insulin. Das körpereigene Hormon können Diabetiker nicht mehr ausreichend selbst produzieren. Lange Zeit wurde Insulin aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnen. Dies führte allerdings bei manchen Menschen zu Nebenwirkungen. 1982 gelang es erstmals, Humaninsulin durch Bakterien, deren Erbanlagen verändert worden waren, in großer Menge herzustellen.

Heute sind die gentechnisch hergestellten Medikamente nicht mehr wegzudenken. So hat sich in den vergangenen 15 Jahren aus dem ehemals defizitären Forschungssektor, der durch hohe Forschungsausgaben und kaum vorhandene Umsätze gekennzeichnet war, eine hochprofitable Biotechnologie-Sparte entwickelt. Allein die führenden amerikanischen Biotech-Unternehmen konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf 112,2 Milliarden US-Dollar nach oben schrauben und erzielten dabei einen Nettogewinn von 9,2 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder also, dass Biotech-Werte zwischen 2010 und 2015 zu den stärksten Sektoren an den US-Börsen gehörten.

Nach dem Boom der Dämpfer

Nachdem die Biotech-Indizes 2015 immer neue Rekordhochs erreichen konnten, musste sich der Sektor 2016 einen deutlichen Rücksetzer gefallen lassen. Während der marktumfassende S&P 500-Index im Gesamtjahr einen Anstieg von 22 Prozent verbuchte, wies der Nasdaq Biotech Index im gleichen Zeitraum ein Minus von 10 Prozent auf. Warum die Investoren nach den Kursgewinnen der Vorjahre der Branche die kalte Schulter zeigten, hatte gleich mehrere Gründe. Eine der Ursachen bestand im Ruf zahlreicher Politiker nach einer Deckelung der Medikamentenpreise. Hersteller pharmazeutischer Produkte dürfen in den USA ihre Verkaufspreise selbst festlegen, weshalb es bei einzelnen Medikamenten zu wahren Preisexplosionen kam. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, denn es sollten vor allem Unternehmen „bestraft“ werden, die kaum oder gar keine eigene Forschung betreiben. Ein weiterer Grund für das vorübergehend schwächere Abschneiden der Biotechs sind abnehmende Umsatzzahlen. Wie die großen Pharma-Unternehmen auch haben die erfolgreichsten Biotech-Gesellschaften der zurückliegenden Jahre zunehmend Probleme, die bisherigen Wachstumsraten zu halten. Die Umsätze mit den bisherigen Verkaufsschlagern sind rückläufig. Dazu kommen auslaufende Patente. Und neue Präparate mit hohem Verkaufspotenzial brauchen Zeit zur Entwicklung.

Umsatzbringer in der Pipeline

Um die eigenen Produktpipelines wieder zu füllen, wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung schon im Jahr 2017 um 12 Prozent auf 45,7 Milliarden US-Dollar hochgefahren. Branchenexperten zufolge haben die Biotech-Unternehmen derzeit mehr als 300 Präparate in der klinischen Forschung, denen eine Marktzulassung in den nächsten zwei bis drei Jahren zugetraut wird. So hat bspw. der amerikanische Biotechriese Celgene ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose in der weit fortgeschrittenen Entwicklung, dem Analysten jährliche Umsätze zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar zutrauen.

Wachsende Biotech-Szene in Österreich

Über 820 Unternehmen aus den Bereichen Biotech, Pharmaindustrie und Medizintechnik erwirtschaften 5,8 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) und beschäftigen rund 52.000 Mitarbeiter (vgl. www.lifescienceaustria.at). „Die Umsätze der österreichischen Biotechnologie-Unternehmen haben rund 313 Mio. Euro erreicht. Mit 170,8 Mio. Euro wird mehr als die Hälfte des Umsatzes wieder in Forschung und Entwicklung investiert“, berichtet Johannes Sarx, Leiter des Programms Life Science Austria in der Austria Wirtschaftsservice GmbH.

Auch ausländische Konzerne nutzen die Forschungskompetenz österreichischer Biowissenschaftler: So hat Sandoz, ein Tochterunternehmen des Schweizer Konzerns Novartis, seine globalen Kompetenzzentren für Biotechnologie in Tirol angesiedelt und 2017 für 100 Mio. Euro ausgebaut. Darüber hinaus unterhält Shire (siehe Top-10-Liste) seinen größten Unternehmensstandort außerhalb der USA in Österreich.

Unternehmen und Start-ups im therapeutischen, medizintechnischen und diagnostischen Bereich und Anbieter von Schlüsseltechnologien bilden ein dynamisches Umfeld für die Forschung. Jedes zweite Biotech-Unternehmen ist im Hotspot Wien angesiedelt, wo mit dem Campus Vienna Biocenter eines der führenden biomedizinischen Forschungszentren Zentral- und Osteuropas entstanden ist.

Fazit: Die Biotechnologie zählt zu den Schlüsseltechnologien und gehört weltweit zu den Top-Wachstumsbranchen. Auch in Österreich wird in diesem Bereich investiert, um die Biotech-Standortentwicklung weiter zu fördern.

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