Rendite mit Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und ist schon lange nicht mehr in der Öko-Nische verhaftet. Institutionelle Investoren bekennen sich mittlerweile auf breiter Front zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Auch Privatanleger können diesem Megatrend folgen.

Die Grundidee des nachhaltigen Wirtschaftens stammt aus der Forstwirtschaft und besagt, nur so viel Holz einzuschlagen wie durch Aufforstung nachwachsen kann. Das klingt vernünftig, denn wie sich Raubbau nachteilig auf Umwelt und Lebensbedingungen auswirkt, dafür gibt es zahllose Beispiele.

Nachhaltigkeit ist wohl eines der herausforderndsten Themen, mit denen sich die Weltbevölkerung heute konfrontiert sieht. Begriffe wie Klimawandel, Umweltverschmutzung oder Artensterben sind im kollektiven Bewusstsein der westlichen Gesellschaft bereits fest verankert. Im Privatleben treffen wir fast täglich Entscheidungen, wie wir auf diese Herausforderung antworten wollen, sei es durch Mülltrennung und Recycling oder die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels.

Doch auch Anleger haben mehr Einfluss auf ein verantwortungsvolles Handeln der Akteure in Unternehmen, als man denkt. Dabei ist nachhaltiges Investment nicht nur in sozialer und ökologischer Hinsicht sinnvoll, sondern oft auch ökonomisch erfolgreich. Umwelt- und sozialverträglich erzeugte Produkte werden zunehmend nachgefragt. Konsumenten sind sogar bereit, höhere Preise für nachhaltige Produkte zu bezahlen. Staatliche Maßnahmen wie Förderprogramme und Emissionsgrenzwerte unterstützen diesen Trend. Insbesondere aus einer langfristigen Perspektive versprechen nachhaltige Anlagen eine stabilere Rendite. Einfach durch die Vermeidung von bestimmten Risiken, welche aus nicht nachhaltigem Verhalten erwachsen.

Nachhaltigkeit als Investmentthema

Die Bezeichnungen für Nachhaltigkeit bei der Geldanlage sind vielfältig. Ethisches, grünes, ökologisches oder nachhaltiges Investment beschreiben dasselbe Grundprinzip: Bei der Geldanlage werden neben den klassischen quantitativen Anlagekriterien Rendite, Risiko und Liquidität auch qualitative Kriterien berücksichtigt, also wie das Geld investiert wird.

Verantwortungsbewusstes Investieren (Responsible Investing, RI) ist eine wirkungsvolle Methode, den Faktor Nachhaltigkeit in Anlageentscheidungen mit einzubeziehen und positive Veränderungen voranzutreiben. In diesem Zusammenghang wird oft auch von ESG-Investments gesprochen: Investments, die auf die Umwelt Rücksicht nehmen (E – „Environment“), gesellschaftliche Ziele (S – „Social“) verfolgen und nach einer vorbildlichen Unternehmensführung (G – „Governance“) streben.

Insgesamt bedeutet nachhaltiges Investment, die investierten Gelder so anzulegen, dass die Investitionen die heutigen Bedürfnisse der Menschen befriedigen, ohne die Ressourcen der kommenden Generationen zu gefährden.

Selektion nachhaltiger Investments

Die oben beschriebenen ESG-Aspekte können in die Finanzanalyse durch verschiedene Auswahlmethoden integriert werden. Hierbei ermöglichen Ausschlusskriterien die strikte Vermeidung von Investments, die mit dem Ansatz der Nachhaltigkeit nicht konform gehen. Zum Beispiel können die Wertpapiere von Unternehmen ausgeschlossen werden, die Waffen oder Atomstrom herstellen. Dagegen arbeitet die Auswahlmethode „Best-in-Class“ mit einer Sektorbetrachtung und präferiert jene Unternehmen, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe das unter ESG-Kriterien beste Unternehmenskonzept vorweisen können. Der Vorteil bei diesem Vorgehen ist eine potenziell breite Diversifikation. Allerdings kann bei Best-in-Class-Selektionen auch in Branchen investiert werden, die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten umstritten sind.

Positivkriterien haben die gezielte Auswahl von Investments zum Ziel, die einen Beitrag zu nachhaltigen Entwicklungen leisten. Beispielsweise könnten dazu die Aktien von Unternehmen gehören, die im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind. Währenddessen bezeichnet Impact Investing die Auswahl von Anlagen, die im Sinne der Nachhaltigkeit eine Wirkung erzielen, etwa im Bereich der Green Bonds die gezielte Finanzierung von Projekten zur C02-Reduktion.

Welches Volumen Kapitalanlagen unter ökologischen und ethischen Aspekten mittlerweile erreichen, untersucht das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) jährlich in seiner Marktübersicht für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Zahlen des letzten Berichts weisen für 2017 ein Volumen von 280,60 Mrd. EUR auf, wobei mit 171 Mrd. EUR der größte Teil auf Deutschland entfällt.

Investitionsmöglichkeiten

Grundsätzlich stehen dem Anleger zahlreiche Investitionsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Bereich der Einzelaktien gibt es eine ganze Reihe kleinerer und mittlerer Unternehmen, die zu finden und genau zu analysieren aber eine größere Herausforderung darstellt. Nicht selten sind diese Start-ups auch gar nicht börsengehandelt. Einfacher ist es, auf Konzerne aus dem Bereich Erneuerbare Energien oder Recycling zurückzugreifen. Überschaubarer wird das nachhaltige Anlageuniversum, wenn man sich auf Investmentfonds, ETF oder Indexzertifikate beschränkt. Und man trägt ganz nebenbei dem Diversifikationsgedanken Rechnung. Ein Aspekt, der für einen soliden, langfristigen und damit nicht zuletzt nachhaltigen Erfolg an der Börse entscheidend ist.

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